Die klassische Riester-Rente ist am Ende. Kaum jemand will diese private Rente und viele, die einen Riester-Vertrag haben, lassen ihn ruhen. Aber selbst wenn Riester in Deutschland gescheitert ist, in Europa soll die ungeliebte Rente eine Renaissance erleben, denn die Pläne für eine EU-Riester-Rente nehmen langsam, aber sicher Gestalt an. „PEPP“ heißt diese europäische Form der Riester-Rente, wobei die vier Buchstaben die Abkürzung für „Pan-European Personal Pension Product“ bedeuten.

Die Verbraucher haben die Wahl

ein neues Model
Die Riester-Rente, ein Modell für Europa?

Europa soll weiter zusammenwachsen und das gilt jetzt auch für die Rente. Es sollen Qualitätsstandards geschaffen werden, sagte der Kommissions-Vizepräsident der EU, Valdis Dombrovskis und die Banken, wie auch die Versicherungen und die Fonds, können das Riester-Produkt nun europaweit anbieten. Die Verbraucher haben dann die Möglichkeit, sich zwischen fünf verschiedenen Produkten zu entscheiden, die in ganz unterschiedlichen Risikogruppen angeboten werden. Es werden riskante Geldanlagen dabei sein, aber auch Produkte, die nur ein sehr geringes Risiko haben.

Was ändert sich?

Gegenüber der deutschen Riester-Rente gibt es zur geplanten EU-Riester-Rente einige Unterschiede. So sind zum Beispiel die Abschlussgebühren begrenzt und die Sparer haben die Möglichkeit, alle fünf Jahre den Anbieter zu wechseln. Ein entscheidender Vorteil ist jedoch, dass sich die Riester-Produkte auf alle Mitgliedsländer der EU übertragen lassen. Das heißt, wer zum Beispiel in Deutschland einen EU-Riester-Vertrag unterschreibt und später im Rentenalter seinen Wohnsitz nach Mallorca verlegt, der kann den Vertrag nach Spanien übertragen lassen. Die zuständige EU-Kommission hat die Empfehlung ausgesprochen, dass alle Mitgliedsländer die europäischen Riester-Produkte steuerlich so fördern, wie es bei nationalen Produkten der Fall ist.

Kritik kommt aus Deutschland

Die Pläne für die europäische Riester-Rente waren schon für Anfang Juni angekündigt worden, aber es gab noch keine konkreten Einzelheiten. Bekannt war nur, dass die Kommission das Ziel hat, allen Menschen in Europa eine zusätzliche Rente zur gesetzlichen Rente in den jeweiligen Ländern anzubieten, um so die Investitionschancen zu erhöhen. Kritik an den Plänen kommt vor allem aus Deutschland. So befürchtet die Deutsche Versicherungswirtschaft, dass die Standards, die die EU für die private Rente plant, eine „Verwässerung der sozialpolitischen Qualitätskriterien für die private Altersvorsorge“ bedeutet. Kritik kommt vonseiten der Politik, denn dort sieht man das Ganze als den Versuch Brüssels, sich in die nationale Rentenpolitik einzumischen.

Eine nationale Frage

Eu-riestern
Was bringt der EU-Riester-Vertrag?

Nach Ansicht von Peter Weiß, dem Rentenexperten der CDU im Bundestag, ist die Rentenfrage eine Frage der nationalen Kompetenz. Er hat große Zweifel, dass die vollkommen unterschiedlichen Formen der Altersvorsorge in Europa in einem einheitlichen System überhaupt einen Sinn ergeben. Aber Weiß ist nicht der Einzige, der sich kritisch zu einem europäischen Rentensystem äußert, auch aus anderen Ländern kommt massive Kritik an PEPP. Da ist zum Beispiel von einer Rentenpolitik die Rede, die auch auf europäischer Ebene von Lobbyisten gesteuert wird, die nur danach streben, den Bürgern in der EU das Geld aus der Tasche zu ziehen. Mit dem Wissen, dass die gesetzliche Rente am Ende ist, wird jetzt eine europaweite Privatisierung der Rente angestrebt, die sich aber nicht jeder leisten kann.

Es wird sich zeigen, ob sich die europäische Riester-Rente durchsetzen wird. Wenn sie wie die deutsche Version, ein wahres Bürokratie-Monster werden sollte, was leider zu befürchten ist, dann wird sie sehr wahrscheinlich ebenso wenig Zustimmung finden, wie das bei der nationalen Riester-Rente der Fall ist.

Bildquellen: „ein-neues-model.jpg“  iriusman – pixabay.com / „eu-riestern.jpg“  geralt – pixabay.com

Euro-Riester-Plan – die EU lässt die Riester-Rente wieder aufleben
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